Grußwort des Bürgermeisters

Das Tagebuch der  Anne Frank gehört zu jenen Büchern, die man in seinem Leben nicht vergessen kann. Es sind Aufzeichnungen, die uns auch Jahrzehnte nach dem gewaltsamen Tod der damals 16jährigen immer wieder berühren und bewegen. Auch ich war als Schüler betroffen und ergriffen von der Lebensgeschichte dieses jungen Mädchens, das  im berüchtigten Konzentrationslager Bergen-Belsen im Jahre 1945, zwei Monate vor dem Kriegsende, ihr Leben lassen musste. Diese Autobiographie, geschrieben im Versteck eines Amsterdamer Hinterhauses, ist zu Recht  Teil der Weltliteratur. Sie gehört für alle Zeiten zum kollektiven Gedächtnis, sie trägt in besonderer Weise dazu bei, dass die Verbrechen der Nationalsozialisten, vor allem aber das persönliche Leid der  Millionen verfolgter, gequälter, entwürdigter  und grausam ermordeter Menschen  niemals vergessen wird.

Heute leben wir in Deutschland in einer stabilen Demokratie. Freiheit, Gleichheit und Menschenwürde sind Werte, die unsere Verfassung garantiert und die für die meisten Menschen unverzichtbar und hoch geschätzt sind. Doch niemand kann davor die Augen verschließen, dass rassistisches und antisemitisches Gedankengut weiter existiert. Mit Entsetzen haben wir unlängst von den grausamen  Morden des nationalsozialistischen Untergrunds erfahren. Umso wichtiger sind Aktivitäten und Projekte, in deren Mittelpunkt  die Aufklärung über die Zeit des nationalsozialistischen Terrors in Deutschland, aber auch über die Gefahren von rechts und die Bedeutung von  Zivilcourage stehen. Dazu gehört die neue Ausstellung des Anne-Frank-Zentrums „Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte“.

Ich begrüße es sehr, dass diese Wanderausstellung im Sommer 2012 auch in Bremen in den Räumen des Bürgerzentrums Vahr zu sehen ist. Zugleich soll es  stadtteilübergreifend  zahlreiche weitere, themenbezogene  Aktivitäten geben. Zu verdanken ist dieses Projekt dem tollen Engagement von Luca Buchholz, auf die dieses Vorhaben  im Wesentlichen zurückgeht. Ich danke ihr für diese beispielhafte Initiative, ich danke allen Beteiligten für ihre Aktivitäten und die nachhaltige Unterstützung.

Zugleich bin ich überzeugt davon, dass die Ausstellung großen Zuspruch finden wird, dass sie zum Nachdenken und zur weiteren Auseinandersetzung mit Rassismus und Antisemitismus anregen wird.

Jens Böhrnsen
Bürgermeister
Präsident des Senats der
Freien Hansestadt Bremen